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Historische Hofanlage Milz

Einsicht in bewahrte Zeit | Ehemaliger Bauern- und Schultheißenhof
Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung

Ein kostbarer Schatz bäuerlicher Kultur der Bodenseeregion lässt sich im Kressbronner Teilort Retterschen entdecken: Ein typischer ehemaliger Bauernhof am originalen Standort mitten im Dorf, mit einer jahrhundertealten Geschichte, mit Gebäuden und einer Ausstattung, die in seltener Vollständigkeit und Ursprünglichkeit erhalten sind, angefüllt mit Spuren einer wechselvollen Entwicklung, die Generationen von Bauernfamilien hinterlassen haben.

Die Geschichte des seit 1992 unbewohnten Hofes lässt sich bis zum frühesten Besitz des Klosters St. Gallen in Retterschen um 800 zurückverfolgen. Bis 1809 war das Anwesen als großbäuerlicher Lehenhof im Besitz angesehener auswärtiger Grundherren (Herren von Stegen, wohlhabende Bürger der Reichsstadt Lindau, Herren von Sirgenstein) und wurde von deren leibeigenen Bauern bewirtschaftet. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts lebte die Familie Huster auf dem Hof, den sie 1809 als Eigentum erwerben konnte. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollzog die Familie im Zuge des landwirtschaftlichen Strukturwandels die Modernisierung des Hofes und der Gebäude. Unter Schultheiß Franz JosephHuster hatte das Anwesen eine Sonderstellung als Schultheißenhof der damaligen Gemeinde Nonnenbach, die erst 1934 mit der ehemaligen Gemeinde Hemigkofen zur heutigen Gemeinde Kressbronn am Bodensee vereinigt wurde. Schon bald nach seiner Wahl ließ Schultheiß Huster 1855 den Wohnteil in für die damalige Zeit repräsentativem Stil neu erbauen und mit einer Amtsstube ausstatten, in der die Gemeindeverwaltung bis 1870 ihren Sitz hatte. Nach den beiden Weltkriegen im 20. Jh. mit ihren spürbaren Folgen für die Familie erfolgte der allmähliche Niedergang mit Aufgabe der Landwirtschaft bis zum berührenden Schicksal der letzten Bewohnerin Theresia Milz, die im Jahr 2000 verstarb.

Heute bilden insgesamt vier Gebäude aus drei Jahrhunderten ein eindrucksvolles Ensemble: 

  • Haupthaus (1855/75) mit Wohnräumen, Stallungen und Heustock
  • Scheuer (1717) mit Dreschtenne, Garbenstock, Weinkeller und Mostpresse
  • Remise (1803) mit Obstkeller, Gschirrkammer, Hopfendarre, Wagen- und Holzschopf
  • Backhaus (1705).

In den Gebäuden sind mittlerweile selten gewordene traditionelle Bauformen erhalten. Ihre Nutzungsänderungen und Umbauten dokumentieren den am Bodensee erfolgten landwirtschaftlichen Strukturwandel seit dem 19. Jahrhundert: Vom seit dem Mittelalter vorherrschenden Getreide- und Weinanbau hin zu Milchwirtschaft, Obst- und Hopfenanbau. Authentisch überlieferte Wohnräume erinnern samt ihrer Ausstattung an das Alltagsleben der Hofbewohner und den Wandel der bäuerlichen Wohnkultur. Ergänzt wird die Anlage durch einen traditionellen Bauerngarten und eine ortstypische Hochstammwiese.

Die Gemeinde erwarb den Hof 2001 und ist bis heute Eigentümerin. Der 2002 gegründete Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz e.V. kümmert sich seitdem als Pächter um den baulichen Erhalt und die öffentliche Nutzbarmachung des Anwesens. In Eigenverantwortung hat der Verein die teils stark geschädigten Gebäude Schritt für Schritt nutzungsneutral und in hohem Maße denkmalgerecht instand gesetzt. Da der Hof unbewohnt ist, kann der Verein ein außergewöhnlich authentisches Erhaltungskonzept realisieren. Im Jahr 2012 erfolgte die Eintragung in das Denkmalbuch Baden-Württemberg als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus sorgt der Verein in Zeiten ohne Corona-Pandemie mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm für die Belebung des Anwesens. Für seine engagierte Arbeit wurden der Verein und seine Mitglieder mehrfach ausgezeichnet.

Aktuelles 2021

Noch immer beherrscht die Corona-Pandemie unser Leben, und die weitere Entwicklung ist mit vielen Unwägbarkeiten behaftet. So bleibt die Hofanlage Milz vorläufig geschlossen. Statt dessen macht der Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz mit „Tafelrunden“ ein Ersatzangebot.

„Tafelrunden“

Von Anfang Mai bis Ende August laden an Sonn- und Feiertagen Schautafeln an den Außenfassaden der geschlossenen Gebäude jeweils von 11 bis 17 Uhr zur Entdeckungsreise ein. Nur bei trockener Witterung.

Bei einem Rundgang über das Gelände können die Gebäude von außen in Augenschein genommen werden und zugleich informieren unmittelbar an Ort und Stelle über 30 Schautafeln knapp und mit zahlreichen Bildern über Geschichte, Gebäude und Erhaltungsmaßnahmen.

Die Gesundheit steht dabei an erster Stelle. Deshalb müssen selbstverständlich die geltenden Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen eingehalten werden.

Mögliche weitere Angebote im Laufe des Sommers werden sich an den aktuellen Entwicklungen orientieren. Darüber wird zeitnah im Veranstaltungskalender der Gemeinde informiert. Bitte erkundigen Sie sich rechtzeitig vorab. Wir bitten um Ihr Verständnis.

„Online-Angebote"

Für alle, die sich darüber hinaus genauer mit der Hofanlage befassen möchten, gibt es hier zwei digitale Angebote:

  • Die Präsentation „Tafelrunden“ informiert auf über 30 Schautafeln knapp und mit zahlreichen Bildern über Geschichte, Bewohner, Gebäude und Erhaltungsmaßnahmen.
  • I bin all do gsi – desch mi Hoimatlautet der Titel der zweiten, ebenfalls reich bebilderten Präsentation. Sie widmet sich der Biografie von Theresia Milz (1907-2000), der letzten Bewohnerin des Hofes.

Literatur

Weiterführende Informationen bieten außerdem die Veröffentlichung Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz e. V. (Hrsg.): Hofanlage Milz in Kressbronn-Retterschen. Einsicht in bewahrte Zeit. Kressbronn am Bodensee2012 und zahlreiche Aufsätze in den jährlich erscheinenden Kressbronner Jahrbüchern. Die Publikationen können in der Tourist-Info der Gemeinde und in der Buchhandlung Lesbar in Kressbronn am Bodensee bezogen werden.

Weitere Informationen

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Kontakt

Historische Hofanlage Milz e. V.
Dorfstraße 56
88079 Kressbronn am Bodensee
07543 96650
tourist-info@kressbronn.de