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Agro-Photovoltaik-Anlage

In Kressbronn a. B. soll eine Agro-Photovoltaik-Anlage entstehen

Der Kressbronner Landwirt Hubert Bernhard wird im Rahmen eines von Wissenschaftlern des Frauenhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) begleiteten Pilotprojektes auf einer Versuchsfläche von 0,3 Hektar eine Agrar-Photovoltaik-Anlage (APV) installieren. „Es ist ein Versuch, die Obsterträge mit der Energiegewinnung unter ein Dach zu bringen. Zudem dient die Anlage anstatt der bisherigen Netze als Hagelschutz“, sagte Bernhard bei einem Pressegespräch. Damit wolle er neue Wege gehen, denn mit der Agrophotovoltaik (APV) könnten landwirtschaftliche Flächen doppelt genutzt werden – nämlich sowohl für den Anbau, als auch für die Stromerzeugung. Das Pilotprojekt in Kressbronn a. B. wird von der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik unterstützt.
Und so funktioniert’s: Über einer Obstanbaufläche von zunächst einem Drittel Hektar werden in einer Höhe von bis zu acht Metern spezielle lichtdurchlässige und leistungsstarke Solarmodule installiert. Dabei können laut Hubert Bernhard die bereits vorhandenen „Stangen“ der Hagelnetze umfunktioniert und idealerweise als Halte-Vorrichtungen eingesetzt werden. „Dadurch, dass wir Licht für unser Obst durchlassen müssen, produzieren wir zwar weniger Energie, hoffen aber auf eine gute und vom Hagel verschonte Ernte. Was aber am Ende rauskommt, wissen wir nicht, es ist ein Versuch“, betont der Landwirt.
Wie das ISE erklärte, müsse man für die Funktionstüchtigkeit und eine großflächige Anwendung die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten, wie in Kombination mit Obst-, Beeren-, Wein- und Hopfenbau sowie mit Energiespeicher, organischer PV-Folie und solarer Wasseraufbereitung und -verteilung eingehend untersuchen. Die Projektbegleitung in Kressbronn durch die Versuchsstation Bavendorf soll sich über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren hinziehen.
Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Thomas Bareiß, begrüßte das Vorhaben und sprach von einem Projekt, das man weiterverfolgen und fördern müsse. Bürgermeister Daniel Enzensperger: „Ich unterstütze dieses Forschungsprojekt. Die APV hat durch ihre sinnvolle Kombination unter gewissen Voraussetzungen Zukunft. Die Landwirtschaft bietet die notwendigen Flächen dazu. Dabei ist natürlich wichtig, dass auf das Landschaftsbild so weit wie möglich Rücksicht genommen wird.“
Auch der Geschäftsführer des Regionalwerks Bodensee, Michael Hoffmann, sieht darin eine Chance für die Landwirtschaft und die Energiewende: „Wir kaufen dem Obsthof Bernhard den erzeugten PV-Strom ab, speisen diesen in das Stromnetz ein und planen, diesen künftig als regional erzeugten, Öko-Heimatstrom vom Bodensee’ an unsere Kunden weiter zu verkaufen.“