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Landschaft Kressbronn am Bodensee

Pressemitteilungen

Sommerinterview

Das Jahr 2021 war wie auch das Jahr 2020 anfangs stark durch die Corona-Krise geprägt. Wie haben Sie den langen Lockdown empfunden?

Ich muss zugeben, ich hätte Mitte des Jahres 2020 eigentlich nicht gedacht, dass wir zum Ende des Jahres und auch am Anfang des neuen Jahres 2021 so lange in einem so harten Lockdown sein würden. Bundesregierung und Landesregierung haben in der Sache einen sehr scharfen Kurs gefahren. Aus meiner Sicht manchmal etwas zu scharf. Ich habe deshalb auch versucht, das auf Ortsebene pragmatischer zu gestalten. Das war auch dringend nötig, weil durch die harten Freiheitseinschränkungen das Aggressionspotenzial der Menschen stark angestiegen ist. Das Verständnis für die Maßnahmen ist meines Erachtens nämlich nur da, wenn sie auch sinnvoll und nachvollziehbar sind. Das war bei manchen Regelungen unserer Landesregierung leider nicht der Fall. Hier muss man dann auch mal Fünfe gerade sein lassen. Wir waren mit den Kontrollen deshalb eher zurückhaltend. Unsere Aufgabe habe ich auch darin verstanden, das Gleichgewicht zwischen Freiheitseinschränkung und Gesundheitsschutz zu wahren. Ich glaube, in Kressbronn a. B. ist uns das ganz gut gelungen. Ich persönlich empfand den langen Lockdown natürlich auch als starke Einschränkung und bin sehr froh, dass wir derzeit und hoffentlich dauerhaft wieder etwas mehr Normalität zurückerhalten.

Wie schätzen Sie die derzeitige Lage ein und glauben Sie, dass im Winter wieder ein Lockdown notwendig werden wird?

Momentan sind die Zahlen vergleichsweise niedrig, deshalb sind auch großzügige Öffnungen möglich. Ich persönlich glaube, dass dies weitgehend damit zusammenhängt, dass die Menschen sich verstärkt an der frischen Luft aufhalten. Draußen ist das Ansteckungsrisiko deutlich geringer, das bestätigen auch zahlreiche Studien. Deshalb habe ich es nie wirklich verstanden, warum man einerseits an der frischen Luft an bestimmten Orten eine Maskenpflicht verhängt und die Menschen andererseits im Winter auch noch praktisch daheim eingesperrt hat. Sich großzügig verteilen und eine gute Durchlüftung sind ideal zur Ansteckungsvermeidung. Natürlich wirkt sich jetzt auch aus, dass immer mehr Menschen geimpft sind. Ich gehe davon aus, dass bis zum Herbst jeder ein Impfangebot bekommen wird. Derzeit gehe ich von keinem weiteren Lockdown mehr aus. Tatsächlich in der Hand haben diese Entscheidung aber unsere Bundes- und Landesregierung.

Sprechen Sie sich für die Impfung aus?

Ich meine, dass jeder selbst entscheiden muss, ob er sich impfen lässt oder nicht. Eine Impfpflicht gab es nicht und sollte es auch nicht geben. Ich selbst habe mich impfen lassen. Mein Vertrauen in das für die Zulassung der Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut und übrigens auch in unsere impfenden Ärzte ist groß.

Wie hat sich die Coronakrise auf die Finanzen der Gemeinde ausgewirkt?

Leider nicht sonderlich gut. Im Wesentlichen muss man feststellen, dass die scharfen Maßnahmen die positive konjunkturelle Entwicklung gestoppt haben. Das hält die Steuereinnahmen auf demselben Niveau oder führt teilweise sogar zu einem Rückgang. Die Ausgabensituation verändert sich aber nicht automatisch. Im Jahr 2020 haben wir aus meiner Sicht richtig und vor allem rechtzeitig mit einer Haushaltssperre darauf reagiert. Dies bedeutete, dass sämtliche Ausgaben über einem Betrag von 500 Euro auf den Prüfstand gestellt wurden, bevor sie erfolgten. Wir haben also sehr intensiv überlegt, wo wir einsparen können und wo nicht. Nach bisherigem Stand des Jahresabschlusses für das Jahr 2020 konnten wir durch die Haushaltssperre ca. 400.000 Euro einsparen. Das hat mit dazu beigetragen, dass wir im Jahr 2020 trotz kleiner Finanzkrise keine Schulden aufnehmen mussten. Anderen Gemeinden ging es da deutlich schlechter, die haben aber auch von einer Haushaltssperre abgesehen. Insgesamt kann man also sagen, dass wir die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise noch ganz gut gemeistert haben. 

Wie ist die Badesaison dieses Jahr im Naturstrandbad angelaufen?

Die Badesaison ist auch dieses Jahr gut angelaufen und entwickelt sich bisher auch weiterhin positiv. Leider spielt das Wetter nicht immer so mit. Über den Winter wurde das Naturstrandbad modernisiert. Der Eingangsbereich wurde automatisiert, der Pflasterbelag neu gemacht, der Kinderspielbereich um ein Kinderspielschiff ergänzt, der Unterhaltungsbereich um eine Outdoor-Fitnessanlage erweitert, die Liegepodeste sowie Sitzbänke und Mülleimer wurden ausgetauscht und erneuert. Außerdem haben wir die Barrierefreiheit im Bad verbessert, die W-Lan-Verbindung verstärkt und das Hauptgebäude komplett neu gestrichen. Das Naturstrandbad wirkt nun noch moderner und attraktiver. Ich freue mich sehr, dass das bei den Badegästen nun auch gut angekommen ist und die neuen Anlagen gut angenommen werden. Leider war die Besucherkapazität auch in diesem Jahr durch die 10-m²-Regelung pro Person nach der Coronaverordnung der Landesregierung auf maximal 3.000 Personen im Bad beschränkt. Da wir eine Einlassgarantie für Saisonkarten- und Gästekarteninhaber haben, mussten wir dieses Jahr erstmals den Verkauf der Saisonkarten Mitte Juni einstellen. Der Verkauf der Saisonkarten ist bereits Anfang Mai regelrecht explodiert. Zwangsläufig hat das dazu geführt, dass einige Badegäste Ende Juni keine Saisonkarte mehr erwerben konnten. Das fanden wir natürlich schade, aber uns blieb leider keine andere Wahl. 

Wie steht es eigentlich um den Klimaschutz in Kressbronn a. B.?

Die Gemeinde Kressbronn a. B. steht beim Klimaschutz im Vergleich zu anderen Gemeinden gut da. Bei einer ersten Untersuchung der energetischen Struktur aller Gebäude in der Gemeinde konnten wir feststellen, dass diese vor allem durch Neubau- und Sanierungsmaßnahmen weitaus besser dasteht, als man hätte denken können. Der CO2-Ausstoß in der Gemeinde ist unterdurchschnittlich. Die Gemeinde selbst trägt hierzu bei, da sie in der Vergangenheit bereits erhebliche Investitionen in die energetische Sanierung ihrer Gebäude getätigt hat. Im letzten Jahr haben wir zudem begonnen, ein kommunales Energiemanagementsystem einzuführen, um den Energieverbrauch besser zu kontrollieren und zu steuern. Auf vielen Gebäudedächern der Gemeinde befinden sich Photovoltaikanlagen zur ökologischen Energieerzeugung. 2019 haben wir fünf Doppelladesäulen zur Förderung der Elektromobilität auf öffentlichen Parkplätzen im Gemeindegebiet installiert. Nächstes Jahr wollen wir voraussichtlich elf weitere Doppelladesäulen im Gemeindegebiet in Zusammenarbeit mit dem Regionalwerk Bodensee errichten, um einen nahezu flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur zu erreichen. Ich halte das für wichtig. Elektromobilität ist nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sondern wird zunehmend auch zum Urlaubs- und Wirtschaftsfaktor. Zur Energieeinsparung trägt auch die Umrüstung eines Großteils der Straßenbeleuchtung auf LED bei. Die kommunalen Gebäude rüsten wir schrittweise gerade auf die LED-Technik um. Im neuen Baugebiet Bachtobel prüfen wir als Wärmeversorgung gerade ein sogenanntes kaltes Netz mit Photovoltaikanlagen. Der Betrieb ist nahezu CO2-neutral. Da das Thema Klimaschutz immer wichtiger wird, hat der Gemeinderat beschlossen, eine Stelle für einen Energie- und Klimamanager zu schaffen. Uns war es allerdings auch wichtig, das Thema Klimaschutz ganzheitlich und strategisch anzugehen. Deshalb haben wir die Energieagentur Ravensburg mit der Ausarbeitung eines Klimaschutzkonzepts für die Gemeinde beauftragt. Wir sind also auf einem sehr guten Weg.

Was plant die Gemeinde im neuen Baugebiet Bachtobel?

Zwischen der Tettnanger und der Friedrichshafener Straße soll ein neues Baugebiet entstehen. Im südlichen Teil des Baugebietes plant die Gemeinde westlich eine Fläche für einen Neubau des Feuerwehrhauses, daneben ein größeres Gebäude, in dem eine fünfgruppige Kinderbetreuungseinrichtung und der Familientreff untergebracht werden sollen. Zur optimalen Auslastung der Fläche werden in den Obergeschossen des Gebäudes kommunale Mietwohnungen geplant und im Keller die Unterbringung des Gemeindearchivs und der Verbandsarchive der Zweckverbände. Das Gemeindearchiv befindet sich bisher im Keller des Rathauses, platzt aber aus allen Nähten, entspricht nicht den technischen Anforderungen an ein Archiv und auch nicht den Anforderungen an die Arbeitssicherheit für das Archivpersonal. Östlich des Gebäudes in Richtung Ortsmitte ist ein Ärztehaus und daneben wiederum kommunaler Mietwohnungsbau geplant. Nördlich dieses Gemeinbedarfsstreifens sind einerseits Bauplätze und andererseits Flächen für genossenschaftlichen Mietwohnungsbau in Mehrfamilienhäusern vorgesehen. Ganz im Norden des Baugebietes soll ein großer Kinderspielplatz entstehen.

Wie weit sind die Planungen für die neue Kinderbetreuungseinrichtung im Baugebiet Bachtobel vorangeschritten?

Wir haben Anfang des Jahres 2020 das Raumbuch für das neue Gebäude mit Kinderbetreuung, Familientreff, Archiv und Wohnen festgelegt und anschließend einen Architektenwettbewerb ausgelobt. Im Juni haben wir den Sieger des Wettbewerbs gekürt und sind nun in die Detailplanungsphase übergegangen. Wir gehen davon aus, dass ca. im März/April 2022 der Baubeschluss im Gemeinderat gefasst werden könnte. Fertigstellung des Gebäudes wäre dann wahrscheinlich im 3. Quartal 2024.

Wann werden die Bauplätze im Baugebiet Bachtobel ausgeschrieben?

Wir planen derzeit 24 Bauplätze, die im neuen Baugebiet Bachtobel vergeben werden könnten. Die genauen Konditionen sind noch nicht vom Gemeinderat festgelegt. Wir können die Bauplätze erst zur Vergabe ausschreiben, wenn sich an der Planung sicher nichts mehr ändert. Wir gehen davon aus, dass der Bebauungsplan im September/Oktober öffentlich ausgelegt werden kann. Der Satzungsbeschluss könnte dann voraussichtlich Anfang 2022 gefasst werden. Mit der Ausschreibung der Bauplätze könnte daher im ersten Quartal 2022 gerechnet werden. Die Bauplätze werden dann in der See-Post ausgeschrieben. 

Welche Projekte bzw. Maßnahmen der Gemeinde stehen in diesem Jahr noch konkret zur Umsetzung an?

In diesem Jahr wird weiter an der Sanierung des Bildungszentrums Parkschule gearbeitet. Wir wollen den Schulbetrieb möglichst wenig stören, deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Arbeiten hauptsächlich in den Ferienzeiten vorzunehmen. Die Folge ist natürlich, dass sich die Sanierung nun insgesamt über drei bis vier Jahre erstreckt. Neben der Sanierung des Bildungszentrums Parkschule haben wir uns auch dafür entschieden, die Sanitäranlagen in der Nonnenbachschule umfassend zu sanieren. Beide Schulen sind wichtig. Die Sanitäranlagen in der Nonnenbachschule waren nicht mehr in einem guten Zustand. Wir möchten für die Schule eine gute Lernatmosphäre, da gehören auch zeitgemäße und intakte Sanitäranlagen dazu. Eine kleinere Baumaßnahme, die dieses Jahr noch ansteht, ist die Einrichtung von abschließbaren Fahrradboxen am Bahnhof. Damit soll der Fahrradverkehr gefördert und der Umstieg auf Bus und Bahn attraktiver werden. Im Tiefbau laufen aktuell noch die Restarbeiten zur Erneuerung der Brücke an der Obermühle, im Herbst ist die infrastrukturelle Aufwertung der Ortsdurchfahrt von Hüttmannsberg geplant.

Sie sind inzwischen seit sechseinhalb Jahren im Amt. Macht Ihnen der Beruf des Bürgermeisters noch Spaß?

Ja, auf jeden Fall. Der Beruf des Bürgermeisters ist sehr abwechslungsreich und man kann unglaublich viel gestalten. Das hat mich schon immer daran begeistert. Natürlich gibt es auch mal schwierigere Themen oder unangenehme Dinge, aber das ist bei jedem Beruf so. Ich gehe jedenfalls jeden Tag gerne zum Arbeiten und freue mich stets auf neue Begegnungen und Projekte, die wir für unsere Gemeinde anpacken können.