Welche Projekte beschäftigen aktuell die Gemeinde?
Ich unterscheide zwischen den Projekten, die in der Planung sind und denen, die gerade umgesetzt werden. In Umsetzung sind das Baugebiet Bachtobel, das Baugebiet Moos I, der Bau des Kinder- und Familienzentrums, der Bau des Wohnhauses mit Gewerbeeinheit im Bachtobel, die Erweiterung der Parkschule, die Sanierung der Bodanstraße im vierten Bauabschnitt, der Breitbandausbau und die Modernisierung der Ortsbeschilderung, um nur die größten Projekte zu nennen. In der Planung sind der Neubau eines Feuerwehrhauses, ein Lagerplatz für die Gemeinde im Linderhof, ein Drogeriemarkt neben dem Edeka, ein Hochwasser- und Starkregenkonzept, ein kommunaler Wärmeplan, ein Klimawandelanpassungskonzept, eine Radverkehrskonzeption, ein neues interkommunales Gewerbegebiet, die Sanierung des Strandbadparkplatzes oder auch verschiedene Klimaschutzmaßnahmen. Diese Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, das würde zu weit führen. Wer sich aber intensiv über unsere Projekte informieren möchte, findet auf unserer Homepage www.kressbronn.de alle Informationen.
Das hört sich danach an, dass die Gemeinde viel investiert. Aber hat sie denn auch das Geld dafür? Wie steht die Gemeinde aktuell finanziell da?
Die Gemeinde Kressbronn a. B. steht derzeit finanziell im Vergleich mit anderen Gemeinden (noch) gut da. Es ist uns in den letzten Jahren auf Grund unserer strikten Haushaltspolitik immer gelungen, den Haushalt auszugleichen. Dafür bin ich auch dem Gemeinderat sehr dankbar. Der Rat hat immer verlässlich dafür gesorgt, dass die Einnahmensituation der Gemeinde angepasst wird und wir uns bei den Ausgaben auf das Notwendige beschränken. Der Haushalt wurde von unserem Gemeinderat nie zum politischen Spielball gemacht, wo jeder seine Sonderwünsche noch irgendwie unterbringt. Einigen anderen Gemeinden gelingt der Haushaltsausgleich schon länger nicht mehr. Als Folge ist deren Investitionstätigkeit stark zurückgegangen. Das wird bei diesen in den nächsten Jahren zu einem erheblichen Sanierungsstau führen. Dieses Problem haben wir aktuell zum Glück noch nicht. Für das kommende Haushaltsjahr steht aber zu befürchten, dass wir den Haushaltsausgleich ebenfalls nicht mehr schaffen. Der Bodenseekreis ist in eine erhebliche finanzielle Schieflage geraten. Aktuell wird eine Erhöhung der Kreisumlage um vier Prozentpunkte diskutiert. Das würde für uns rund 900.000 Euro mehr ausmachen, was wir an den Kreis abführen müssten. Als Bürgermeister und Kreistagsmitglied bin ich allerdings nicht bereit, das so zu akzeptieren. Deshalb dränge ich schon lange auf Einsparbemühungen des Kreises und werde mich auch dafür einsetzen, dass eine solch drastische Erhöhung der Kreisumlage nicht kommt. Dennoch werden wir uns für das Haushaltsjahr 2026 sehr anstrengen müssen, den Haushalt auszugleichen. Dazu werden wir Ausgaben kürzen und Einnahmen weiter erhöhen müssen. Beides gilt es nun zu prüfen.
Wie hoch ist die aktuelle Verschuldung der Gemeinde?
Die Verschuldung der Gemeinde beläuft sich zum 31.12.2024 auf insgesamt ca. 2,3 Mio. Euro. Davon entfallen ca. 1,1 Mio. Euro auf den Kernhaushalt und ca. 1,2 Mio. € auf die Eigenbetriebe. Bei 8.842 Einwohnern macht dies im Durchschnitt 258,67 €/Einwohner aus. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 799 €/Einwohner. Wir liegen damit 67,6 % unter der durchschnittlichen Verschuldung von Gemeinden in Baden-Württemberg. Zum 1. Januar 2015 belief sich der Schuldenstand der Gemeinde auf 2,9 Mio. Euro. Also ist es uns gelungen, trotz hoher Investitionstätigkeit in den letzten zehn Jahren 600.000 Euro Schulden abzubauen. Darauf können wir stolz sein. Leider wird diese Entwicklung aller Voraussicht nach nicht so bleiben. Gerade im Wohnungsbau stehen größere Investitionen an, bei denen wir auf Darlehen vom Kreditmarkt angewiesen sind. Diese Projekte sind allerdings wirtschaftlich und tragen sich finanziell selbst. Sie belasten damit den Haushalt nicht, sondern tragen neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum dazu bei, dass wir den Eigenbetrieb stärken und auch künftig in diesem Bereich handlungsfähig bleiben.
Wie ist der Stand bei den Baugebieten der Gemeinde?
Beim Baugebiet Bachtobel befinden wir uns mitten in der Umsetzung. Die Planung ist schon länger ausgearbeitet, die Erschließungsstraßen stehen. Die ersten Wohngebäude sind bereits fertiggestellt. Die Sparkasse hat mit dem Bau der sechs Mehrfamilienhäuser für den Mietwohnungsbau begonnen. 80 Mietwohnungen in unterschiedlicher Größe von 1,5 bis 5 Zimmer sollen dabei entstehen. Etwa ein Viertel davon werden Sozialwohnungen nach dem Landeswohnraumförderungsgesetz. Die Gemeinde selbst errichtet im Baugebiet ein Kinder- und Familienzentrum. Vorgesehen sind eine fünfgruppige Kinderbetreuungseinrichtung, der Familientreff, das Gemeindearchiv im Untergeschoss und zwölf Mietwohnungen in den beiden oberen Geschossen. Daneben entsteht oberhalb des Bachtobelplatzes ein kommunales Mietwohngebäude mit 15 Mietwohnungen und einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss. Der Kinderspielplatz im nördlichen Bereich des Baugebietes ist bereits gebaut. In den letzten Wochen musste allerdings der Rasen noch anwachsen, deshalb konnten wir diesen bislang noch nicht für die öffentliche Nutzung freigeben.
Die Planungen zum Baugebiet Moos I sind ebenfalls abgeschlossen. Die Erschließungsarbeiten sollen möglichst noch in diesem Jahr erfolgen. Die Vorbereitungen für die Vergabe der Bauplätze finden derzeit statt. Der Gemeinderat hat den Bauplatzpreis inzwischen auf 725 €/m² festgelegt. Das ist für die Lage angemessen und deutlich unter dem Wert auf dem privaten Markt. Dort wird teilweise bis zu 1.100 €/m² für Bauflächen im Kernort bezahlt. Unser Ziel ist es aber, die Grundstücke zu bezahlbaren Konditionen an die Bürgerinnen und Bürger zu veräußern. Wir wollen keinen Gewinn machen, aber die Kosten decken. Andernfalls müsste die Allgemeinheit dafür aufkommen, das kann dann aus meiner Sicht auch nicht sein. In welchem Vergabeverfahren wir die Bauplätze veräußern, ist vom Gemeinderat noch nicht entschieden. Ich werde diesem aber wieder das Einheimischen-Modell vorschlagen. Wir konnten damit im Bachtobel unsere Ziele weitgehend erreichen. Ich vermute, dass die Bauplätze Ende 2025/Anfang 2026 ausgeschrieben werden können. Ansonsten steht im Baugebiet Moos I auch der Bau einer Anschlussunterkunft für Flüchtlinge aus. Anders als sonst, wollten wir dieses Gebäude über einen Generalunternehmer realisieren. Das Vergaberecht schreibt dafür aber ein sehr aufwändiges Verfahren vor. Man muss dabei nachweisen, dass die Realisierung durch Generalunternehmer wirtschaftlicher ist als die Einzelgewerksvergabe. Damit sind wir nun schon über ein Jahr beschäftigt. Wir hoffen aber, dass das Ergebnis sich dann finanziell lohnt. Voraussichtlich im September können wir das Verfahren abschließen und der Gemeinderat den Vergabebeschluss fassen.
Um das Thema Flüchtlinge ist es ruhiger geworden. Was hat sich verändert?
Es ist tatsächlich ruhiger geworden. Die Anzahl der Flüchtlinge ist stark zurückgegangen. Die Maßnahmen des Bundes scheinen zu wirken. Das war aber auch dringend nötig. Unsere Gemeinde hat bei der Aufnahme von Flüchtlingen immer die Vorgaben erfüllt. Im letzten Jahr sind aber auch wir an unsere Kapazitätsgrenze gelangt. Mehr Flüchtlinge hätten wir nicht mehr aufnehmen können. Mit dem Bau der Anschlussunterkunft im Baugebiet Moos I schaffen wir nun weitere dringend benötigte Plätze. Wir erhalten dafür auch eine Förderung vom Land. Allerdings bin ich der Meinung, dass dies das letzte Gebäude dieser Art für die nächsten Jahre gewesen sein muss. Wohnraum für Flüchtlinge ist das eine, man muss die Menschen aber auch betreuen und integrieren können. Dabei sind unsere Möglichkeiten auch begrenzt. Ich hoffe deshalb sehr, dass die Flüchtlingszahlen weiter niedrig bleiben.
Wie steht es um das Hallenbad?
In der Sitzung des Gemeinderates am 30. Juli haben wir bekräftigt, dass wir das Hallenbad grundsätzlich erhalten möchten. Das war bislang immer unsere Haltung und stand nie in Frage. Mit Blick auf die von vielen Bürgern gewünschte Sanierung haben wir zum Ausdruck gebracht, dass diese für uns nur dann in Betracht kommt, wenn bis 31.12.2029 die Hälfte der Kosten durch Spenden oder Fördermittel gedeckt werden können. Die Frist hängt damit zusammen, dass das Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur, aus dem ggf. auch Fördermittel kommen könnten, im Jahr 2029 ausläuft. Danach ist eine Förderung des Hallenbades höchst unwahrscheinlich. Die Eigenmittel der Gemeinde sind dabei auf 5,0 Mio. Euro gedeckelt. Mehr können wir uns als Gemeinde nicht leisten. Gelingt es nicht, die Drittmittel bis zum genannten Zeitpunkt aufzubringen, wird endgültig auf die Sanierung verzichtet. Das Hallenbad wird aber auch dann im bisherigen Zustand so lange weiterbetrieben, wie es Verkehrssicherheit und Wasserqualität zulassen. Es ändert sich also vorerst nichts.
Großartig finde ich, dass inzwischen die Gründung eines Fördervereins erfolgt ist. Diese private Initiative ist wichtig und zeigt, dass den Menschen das Bad am Herzen liegt. Nun können aber alle Bürgerinnen und Bürger durch ihre Spendenbereitschaft zeigen, wie wichtig ihnen das Hallenbad wirklich ist.
Was passiert gerade auf der Bodanstraße und wann wird der Strandbadparkplatz saniert?
Im Zuge des Bebauungsplans zum Bodan-Hotel wurde zwischen dem Investor und der Gemeinde ein Erschließungsvertrag für den 4. Bauabschnitt der Bodanstraße vor dem Naturstrandbad geschlossen. Den Großteil der Sanierungskosten trägt also der Investor, die Gemeinde ist jedoch finanziell an der Maßnahme beteiligt. Die Bauausführung erfolgt dieses Jahr. Um die Badesaison und generell den Verkehr über den Sommer nicht zu stören, wurde die Baustelle vorübergehend eingestellt und wird im Herbst wieder fortgeführt. Der Bereich vor dem Naturstrandbad wird gleich wie die ersten drei Bauabschnitte der Bodanstraße gestaltet. Insbesondere wird es eine Fortführung des Gehweges auf der Südseite geben. Die Zufahrt zum Strandbadparkplatz wird neugestaltet. Diese wird künftig ausschließlich an der Westseite sein und dreispurig werden. In diesem Zusammenhang und weil der Parkplatz inzwischen in einem sehr schlechten Zustand ist, haben wir uns nun auch dazu entschieden, den Parkplatz einschließlich des Festplatzes vollumfänglich zu sanieren. Die Bauarbeiten dafür werden im Herbst starten und voraussichtlich bis ins Frühjahr 2026 andauern.
Im Jahr 2025 konnten Kressbronn a. B., Langenargen und Eriskirch das 50. Jubiläum des Gemeindeverwaltungsverbandes feiern. Wie steht es um die interkommunale Zusammenarbeit?
Es ist schon eine tolle Sache, dass die Gemeinden Eriskirch, Kressbronn a. B. und Langenargen nun schon seit 50 Jahren zusammenarbeiten und sich gut verstehen. Wir haben mit einem gemeinsamen Baurechtsamt angefangen und im Jahr 2018 weitere Aufgaben auf den Verband übertragen. Wir haben erkannt, dass wir zusammen stärker und besser sind. In den nächsten Jahren werden große Herausforderungen auf uns zukommen. Die Aufgabenbearbeitung wird immer komplexer und gleichzeitig fehlen uns zunehmend Fachkräfte. Ich glaube, wir sollten deshalb prüfen, wie wir noch enger zusammenarbeiten können. Durch Zusammenarbeit kann man mitunter Geld einsparen und Aufgaben besser bearbeiten. Ich bin deshalb mit meinen Bürgermeisterkollegen in einem engen Austausch. Wir überlegen derzeit gemeinsam mit unseren Verwaltungen, welche weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit unserer Gemeinden es gibt und wie wir dadurch künftige Herausforderungen bewältigen können. Erste Ergebnisse dazu werden wir hoffentlich im ersten Halbjahr 2026 haben und darüber in den Gemeinderäten beraten können. Wir sind also am Thema interkommunale Zusammenarbeit dran.
Sie sind jetzt seit über zehn Jahren Bürgermeister der Gemeinde. In zehn Jahren kann man eine Gemeinde prägen. Woran lässt sich Ihre bisherige Amtszeit erkennen bzw. festmachen?
Da gibt es einiges, was ich nennen könnte. Was mir politisch besonders wichtig ist, kam eigentlich die letzten Jahre immer gut zur Geltung. Zunächst stimmt es, dass man in zehn Jahren eine Gemeinde prägen kann. Es ist eine lange Zeit, jedenfalls empfinde ich es so. Wir haben wie oben erwähnt zahlreiche Projekte angestoßen und viele davon auch schon abgeschlossen. Wenn Sie mich aber danach fragen, was meine Amtszeit als Bürgermeister besonders kennzeichnet, dann fällt mir dazu natürlich sofort ein, dass mir Bildung und Schule sehr wichtig sind. Deshalb habe ich den Großteil der finanziellen Mittel in diese Richtung gelenkt. Mit der Sanierung des Bildungszentrums, kleineren Sanierungen der Nonnenbachschule und nun auch der Erweiterung der Parkschule haben wir bereits viel Geld in die Schulen investiert und werden wir künftig auch noch tun. Ich halte das nach wie vor für den wichtigsten Bereich überhaupt. Investitionen in Bildung bleiben Investitionen in die Kinder unserer Gemeinde. Daneben haben wir aber auch die Kinderbetreuung weiter ausgebaut, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken. Auch die Sozialarbeit, genau gesagt die Schulsozialarbeit und die freie Jugendarbeit, wurden erheblich ausgebaut. Ansonsten glaube ich bringt man mich vor allem damit in Verbindung, dass mir ein professionelles Auftreten der Gemeindeverwaltung und eine transparente Informationspolitik sehr wichtig sind. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist unsere Homepage. Sie finden dort nahezu alles, was von Interesse sein könnte. Die Sitzungsunterlagen unserer Gremien sind erschöpfend und haben auch fachlich ein sehr hohes Niveau.
Selbstverständlich ist das alles nur möglich, wenn die Finanzen stimmen. Wir müssen so arbeiten, dass wir möglichst nicht über unsere Verhältnisse leben und nachfolgenden Generationen Schuldenberge hinterlassen. Ich habe mich deshalb immer dafür eingesetzt, dass wir mit möglichst wenig oder gar keinen Schulden beim Ausbau der Infrastruktur auskommen. Nur beim Wohnungsbau habe ich es stets anders gesehen, weil das rentierliche Schulden sind und bezahlbarer Wohnraum für die Bevölkerung nur so geschaffen werden kann. Insgesamt kann man sagen, dass unsere Gemeinde ein sehr schöner Ort ist, an dem man sich wohlfühlen kann und in dem Gemeinschaft gelebt wird. Und das ist mir persönlich besonders wichtig. Ich freue mich, dass ich als Bürgermeister nun schon in der zweiten Amtszeit dazu beitragen kann.
Pressemitteilung vom 14.08.2025

