Kinder, Familien und Begegnung im Mittelpunkt – Gemeinde Kressbronn a. B. übergibt größtes Einzelbauprojekt ihrer Geschichte seiner Bestimmung
Mit zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung, Kirche und Bürgerschaft hat die Gemeinde Kressbronn a. B. am Freitag, 25. September 2026, das neue Kinder- und Familienzentrum im Baugebiet Bachtobel feierlich eröffnet. Unter dem Leitgedanken „Kinder schenken unserer Gesellschaft Zukunft, Familien geben ihr Halt“ wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Es vereint eine fünfgruppige Kinderbetreuungseinrichtung, Familientreff, Gemeindearchiv und 12 kommunale Wohnungen unter einem Dach. Höhepunkt des Festaktes war die offizielle Schlüsselübergabe.
Bürgermeister Daniel Enzensperger stellte in seiner Begrüßung die Bedeutung frühkindlicher Bildung in den Mittelpunkt. „Im Menschenleben ist es wie auf der Reise. Die ersten Schritte bestimmen den ganzen Weg“, zitierte er Arthur Schopenhauer. Frühkindliche Bildung sei weit mehr als Betreuung. Sie schaffe wichtige Grundlagen für die geistige, sprachliche, soziale, emotionale und motorische Entwicklung und damit für den weiteren Bildungs- und Lebensweg eines Kindes. Das Kinder- und Familienzentrum sei deshalb bewusst als Ort für Kinder und Familien konzipiert worden, gleichzeitig aber ein Gebäude für die gesamte Gemeinde.
Kultusminister Jung: „Aufstieg durch Bildung, gleiche Chancen für alle“
Kultusminister Andreas Jung würdigte die Investition der Gemeinde und hob die Bedeutung guter Bildungschancen von Beginn an hervor. Das Selbstverständnis der sozialen Marktwirtschaft sei mit dem Versprechen verbunden, durch Bildung Aufstieg und Teilhabe zu ermöglichen. Deshalb müsse bereits in die frühkindliche Bildung investiert werden. Sein besonderer Dank galt den pädagogischen Fachkräften. Sie gäben Kindern Entscheidendes mit auf den Weg, förderten Sprache und Feinmotorik, unterstützten ihre Entwicklung und stärkten Herzensbildung und soziales Miteinander. Neben guten pädagogischen Konzepten brauche es dafür auch Räume, in denen Kinder sich entfalten könnten. Mit dem neuen Kinder- und Familienzentrum sei in Kressbronn a. B. ein solcher Ort entstanden. Jung würdigte zugleich die finanzielle Leistung der Gemeinde, die den weit überwiegenden Teil der Investition selbst trägt. Das Land Baden-Württemberg unterstützte das Projekt mit rund 694.100 Euro. Seinen Dank richtete der Minister dabei auch an die Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Alexander Bruns und Martin Hahn. Mit Blick auf den eigens zur Eröffnung angereisten Bürgermeister Régis Ligier aus der französischen Partnergemeinde Maîche betonte Jung zudem die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft und eines geeinten Europas. Gerade für die kommenden Generationen sei es wichtig, die Voraussetzungen dafür zu erhalten, in Frieden und Freiheit leben zu können.
Landrat Prayon: Familien brauchen Orte der Begegnung und Unterstützung
Auch Landrat Luca Wilhelm Prayon gratulierte der Gemeinde zu der Investition. „Wer baut, der sieht Perspektiven. Wer baut, der glaubt an die Zukunft“, sagte Prayon. Das neue Zentrum sei Ausdruck dieses Zukunftsvertrauens. Dabei griff er das afrikanische Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ auf. Familienstrukturen hätten sich verändert. Viele Menschen kämen wegen attraktiver Arbeitsplätze in die Region, hätten jedoch Großeltern und andere Angehörige nicht mehr in unmittelbarer Nähe. Umso wichtiger seien Orte, an denen Familien Kontakte knüpfen, sich austauschen und bei Bedarf Unterstützung erhalten könnten. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Familientreff. Die Familientreffs seien seit mehr als 35 Jahren eine Erfolgsgeschichte im Bodenseekreis. Insgesamt gebe es 20 solcher Einrichtungen. Prayon dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Arbeit mit Kindern und Eltern. Kinder bräuchten nach seiner Überzeugung vor allem drei Dinge: „Sicherheit, Vertrauen und Inspiration.“ Viele Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Familientreffs leisteten täglich ihren Beitrag dazu.
Ein Gebäude für unterschiedliche Bedürfnisse
Architekt Matthias Beisel blickte auf die mehrjährige Planungs- und Bauphase zurück. Aus ersten Ideen und Skizzen seien über zahlreiche Planungen, Berechnungen, Ausschreibungen und Baustellentermine schließlich die heutigen Räume entstanden. Das Ziel sei von Anfang an gewesen, mehr als ein rein funktionales Gebäude zu schaffen: einen Ort für Gemeinschaft und Begegnung ebenso wie für Rückzug. „Kinder sind vermutlich die ehrlichsten Architekturkritiker, die man sich vorstellen kann“, stellte Beisel fest. Wenn Kinder das Gebäude gerne annähmen, ihre Lieblingsplätze fänden, spielten und lachten, habe man vieles richtig gemacht. Mit der Fertigstellung gehe das Gebäude nun endgültig an diejenigen über, für die es geschaffen worden sei. Für ein Schmunzeln sorgte das Geschenk der Architekten an die Kinder: Ein bestelltes Dreirad hatte es nicht rechtzeitig zur Eröffnung geschafft. Es habe damit, so Beisel augenzwinkernd, bereits „die ersten Lektionen eines größeren Bauprojekts gelernt: Nicht alles, was rechtzeitig bestellt wird, ist auch zum vereinbarten Zeitpunkt da.“
Von der Kinderbetreuung zum multifunktionalen Zentrum
Ausgangspunkt des Projekts war der bereits 2016 festgestellte zusätzliche Bedarf an Betreuungsplätzen. 2017 begann die Gemeinde mit den Planungen für eine neue Kinderbetreuungseinrichtung im Baugebiet Bachtobel. Daraus entwickelte sich die Idee, weitere kommunale Nutzungen in das Gebäude zu integrieren. Der Familientreff des Bodenseekreises erhielt damit neue Räumlichkeiten. Gleichzeitig konnte eine Lösung für das Gemeindearchiv geschaffen werden, dessen bisherige Räume im Rathaus weder ausreichend Platz boten noch die notwendigen Anforderungen unter anderem an Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht- und Brandschutz erfüllten. Mit zwölf kommunalen Mietwohnungen leistet das Gebäude darüber hinaus einen Beitrag zur Schaffung von Wohnraum. Aus einem Realisierungswettbewerb im Jahr 2020 ging das Architekturbüro Frank Heinz aus Waldkirch als Sieger hervor. Am 25. Mai 2022 fasste der Gemeinderat den Baubeschluss. Die damalige Kostenberechnung belief sich auf insgesamt 15,7 Millionen Euro. Davon entfielen 7,8 Millionen Euro auf Kinderbetreuung und Familientreff, 1,2 Millionen Euro auf das Gemeindearchiv einschließlich zweier Tiefgaragenstellplätze, 4,8 Millionen Euro auf die kommunalen Mietwohnungen einschließlich 19 Tiefgaragenstellplätzen sowie 1,8 Millionen Euro auf 21 weitere Tiefgaragenstellplätze, die dem benachbarten Wohn- und Geschäftshaus zugeordnet sind. Zum Zeitpunkt des Baubeschlusses bestand neben einer Förderung über den Ausgleichsstock zunächst keine Aussicht auf eine weitere Fachförderung. Als 2024 überraschend ein Förderprogramm nach dem sogenannten Windhundprinzip aufgelegt wurde, reagierte die Gemeindeverwaltung unmittelbar. Noch am Tag der Veröffentlichung wurde der Antrag beim Regierungspräsidium Tübingen eingereicht. Dadurch konnte eine zusätzliche Förderung von 694.100 Euro erreicht werden.
Bürgermeister Enzensperger dankte insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, dem Gemeinderat, dem Architekturbüro, den Fachplanern sowie den beteiligten Firmen und Handwerksbetrieben. Sein besonderer Dank galt dem Amt für Gemeindeentwicklung und Bauwesen für die Koordination des umfangreichen Projekts.
Segen für das Haus und symbolische Schlüsselübergabe
Im Rahmen des Festaktes wurde das Gebäude auch kirchlich gesegnet. Pfarrer Ulrich Adt und Pfarrer Armin Noppenberger stellten Kinder, Familien sowie alle Menschen, die künftig im Kinder- und Familienzentrum ein- und ausgehen, unter Gottes Segen. „Da brauchen wir auch Gottes Segen“, dieser Satz aus der ursprünglichen Einladung zur Eröffnung sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben, berichtete Adt. Dazu gehöre auch, dass Menschen da seien, die Kinder in ihrer Entwicklung begleiten würden. Zu Gottes Segen gehöre auch eine Gemeinde, die Kinder und Familien nicht nur mit Worten, sondern mit konkretem Handeln unterstütze. Ein besonderer Moment der Feier war schließlich die Schlüsselübergabe. Bürgermeister Daniel Enzensperger übergab die Schlüssel offiziell an die Kinderbetreuungseinrichtung, den Familientreff und das Gemeindearchiv. Damit ging das neue Gebäude symbolisch in die Hände derjenigen über, die es künftig mit Leben füllen werden. Enzensperger verband die Übergabe mit einem Wunsch für die Zukunft: Das Kinder- und Familienzentrum möge seinen Platz finden „als Ort der Bildung und Betreuung, der Geschichtsforschung, des Wohnens, des Miteinanders und nicht zuletzt als soziale Begegnungsstätte für Erwachsene und Kinder, für Familien und die Menschen in unserem Ort“.
Musikalisch begleitet wurde der Festakt von Manuela Klöckner und Markus Thaler. Im Anschluss nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, das Gebäude bei Führungen kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Tag der offenen Tür im Kinder- und Familienzentrum
Am Samstag, 26. September, öffnete das Kinder- und Familienzentrum schließlich seine Türen für alle Interessierten. Unter dem Motto „Kennenlernen. Entdecken. Mitmachen.“ konnten Familien, Kinder und Interessierte die Räumlichkeiten und die verschiedenen Einrichtungen kennenlernen. Informationsstände, Bastelangebote und Kinderschminken sowie die Bewirtung durch die Elternbeiräte rundeten den Tag der offenen Tür ab.
Pressemitteilung vom 28.09.2026




