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Agri-Photovoltaik auf Obsthof Bernhard

von links: Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Hubert Bernhard, Obsthof Bernhard, Prof. Andreas Bett, Institutsleiter Fraunhofer ISE

Am vergangenen Freitag eröffnete Ministerpräsident Winfried Kretschmann die erste Agri-Photovoltaikanlage über Apfelbäumen in Europa auf dem Obsthof Bernhard. Gefördert wird das bis 2024 laufende Forschungsvorhaben von den Landesministerien für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Innerhalb des Projekts soll das Konzept der Agri-Photovoltaik (Agri-PV) mit einem Schwerpunkt auf Kern- und Beerenobst in Baden-Württemberg im Detail untersucht werden.
„In der Agri-Photovoltaik liegt eine Riesenchance für die Landwirtschaft, für die Nachhaltigkeit und für die Energieversorgung. Mit der Modellregion Agri-Photovoltaik Baden-Württemberg wollen wir zeigen, wie doppelt ernten geht – hier zum Beispiel Sonnenenergie und Äpfel. Dafür stellen wir in den nächsten drei Jahren insgesamt knapp 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die heutige Eröffnung der Anlage in Kressbronn a. B. markiert einen Meilenstein. Heute ist ein Pioniertag am Bodensee. Ich wünsche allen Beteiligten gutes Gelingen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann in seiner Eröffnungsrede.
In den kommenden drei Jahren wollen Hubert Bernhard und die Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme die Technologie in der Praxis auf Herz und Nieren testen. Es geht dabei um Fragen, wie die Apfelkultur mit der Verschattung durch die Solarmodule zurechtkommt und was das für die Erntemenge heißt, wie die Anlage die Bewirtschaftung der darunterliegenden Fläche beeinflusst und ob sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen nässebedingte Schaderreger wie Schorf reduzieren lässt. „Bei Sonnenschein kann ich den Strom förmlich hören“, freut sich Hubert Bernhard schmunzelnd bei der Eröffnung und meint dabei das sonore Brummen der Wechselrichter, die unter dem Dach aus Solarmodulen in jeder Reihe hängen.
Die 0,4 Hektar große Pilotanlage, die eine Leistung von gut 230 Kilowattpeak hat und rechnerisch 65 Privathaushalte mit Strom versorgen kann, ist Teil des Projekts Modellregion Agri-Photovoltaik Baden-Württemberg, in dem die Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur Nahrungsmittelproduktion und zur Stromerzeugung erforscht werden soll und das das Land mit 2,5 Millionen Euro bezuschusst. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist, offene Fragen zur dualen Nutzung von Flächen für Landwirtschaft und Solarstromerzeugung zu beantworten. Mit der Entwicklung und dem Bau von maßgeschneiderten Pilotanlagen an fünf unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen Obst- und Beeren-Kulturen wird die Machbarkeit verschiedener vielversprechender Anwendungsbereiche und Technologien untersucht und Auslegungsvarianten erforscht. Die Forscherinnen und Forscher des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee und des Fraunhofer ISE analysieren bei der Agri-PV-Anlage in Kressbronn a. B. das Pflanzenwachstum unter den Modulen im Detail. „Dazu zählen neben der Untersuchung der Effekte variierender Beschattung auf Wachstum und Ökophysiologie der Äpfel auch Forschungsaktivitäten zu den Auswirkungen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auf die PV-Module“, erklärt Oliver Hörnle, Projektleiter am Fraunhofer ISE.
„Es ist wichtig für eine autarke Energieversorgung und den Klimaschutz, alle Möglichkeiten zu prüfen, um Solarenergiepotentiale auszuschöpfen. Insofern freue ich mich, dass wir in Kressbronn a. B. mit dem Obsthof Bernhard innovative Wege gehen“, so Bürgermeister Daniel Enzensperger.