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Literaturtreff: "Sieben Legenden" (v. a. Die Jungfrau als Ritter) von Gottfried Keller

Besprochen wird das Buch "Sieben Legenden" (v. a. Die Jungfrau als Ritter) von Gottfried Keller; dazu als Hintergrund "Sieben Küsse" von Peter von Matt.

Die Jungfrau als Ritter

Der Kaiser hört von der unbemannten Bertrade und schickt den trägen Zauderer Zendelwald als Boten zu ihr, um anzukündigen, dass er sie besuchen und ihr einen neuen Mann besorgen will. Zendelwald verliebt sich in Bertrade, reist aber umgehend wieder ab und kehrt zu seiner Mutter zurück, die ganz im Gegensatz zu ihm sehr tätig und entscheidungsfreudig ist. Als sie hören, dass ein Turnier geplant ist, dessen Sieger die schöne Bertrade bekommen soll, zwingt die Mutter den Sohn, sich an dem Turnier zu beteiligen. Auf dem Weg zur Burg Bertrades kehrt er in eben dem Kirchlein ein, in dem Bertrade schon einmal einen rettenden Schlaf getan hat. Auch Zendelwald entschläft am Altar, die Jungfrau Maria steigt herab, legt seine Rüstung an. Sie besiegt die in ihrer übertriebenen Männlichkeit lächerlichen Ritter „Maus der Zahllose“ und „Guhl der Geschwinde“, und auf dem Hochzeitsbankett tritt der wirkliche Zendelwald unbemerkt an die Stelle seines Ebenbilds, bekennt, was geschehen ist und wird an Bertrades Seite „ein ganzer Mann im Reiche, so dass der Kaiser ebenso zufrieden mit ihm war als seine Gemahlin“.

Keller wurde am 19.7.1819 in Zürich geboren. Sein Vater war Drechsler. Nach dem frühen Tod des Vaters (1824) besuchte er bis 1834 verschiedene Schulen. Einen Studienaufenthalt in München - mit dem Ziel, Maler zu werden - brach er ab und begann seine literarischen Studien. Seine erste Gedichtsammlung (1846) verhalf ihm zu einem Stipendium in Zürich. 1848-1850 studierte Keller in Heidelberg Geschichte, Philosophie und Literatur. 1850-1855 lebte er in Berlin und danach wieder in Zürich als freier Schriftsteller. Von 1861 bis 1876 war er Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich, danach widmete er sich nur noch seinen literarischen Arbeiten. Keller starb am 16.7.1890 in Zürich.


Peter von Matt über maßlose, irrtümliche und innige Küsse       

Sieben bedeutungsvolle Küsse der Literaturgeschichte von Marguerite Duras bis Heinrich von Kleist hat Peter von Matt für sein neues Buch ausgewählt. Eigentlich ist Küssen ja ein Alltagsgeschäft. Und dennoch sind wir fest davon überzeugt, das Leben nach dem Kuss sei ein besseres als zuvor. Daran hat auch die Literatur ihren Anteil, denn in zahllosen Geschichten nimmt das Schicksal nach dem entscheidenden Kuss einen neuen Lauf. Einmal mehr erweist sich Peter von Matt als Meister der kenntnisreichen und eleganten Interpretation, aus der Neugierige genauso viel lernen wie erfahrene Leser: ob es nun um Literatur geht, die Liebe – oder um Osculologie, die Wissenschaft vom Küssen.

Peter von Matt, geboren 1937 in Luzern, war von 1976 bis 2002 Professor für Germanistik an der Universität Zürich.  Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, der Akademie der Künste Berlin und der Sächsischen Akademie der Künste. 2014 wurde Peter von Matt mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. Er lebt bei Zürich. Bei Hanser erschienen zuletzt: Wetterleuchten (Kleine Deutungen deutscher Gedichte, 2009) und  Das Kalb vor der Gotthardpost (Zur Literatur und Politik der Schweiz, 2012). Im Januar 2017 erscheint bei Hanser: Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur.