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Lesung und Musik mit Jan Costin Wagner aus "Sakari lernt, durch Wände zu gehen"

4. Kressbronner Kriminächte 2017
„Sakari lernt, durch Wände zu gehen“ mit Jan Costin Wagner


Die Macht des Todes – die Kraft des Lebens

Ein junger Mann steht nackt in einem Brunnen, in seiner Hand blitzt ein Messer im Sonnenlicht. Es ist ein heißer Sommertag im finnischen Turku. Unter den herbeieilenden Polizisten ist auch Kimmo Joentaas Kollege Petri Grönholm, der gegenüber am Marktplatz wohnt. In einem panischen Gefühl der Bedrohung erschießt Grönholm den Jungen im Brunnen – und versinkt in den Tagen danach in seinen Schuldgefühlen.

Kimmo Joentaa, Kommissar bei der Polizei in Turku und inzwischen alleinerziehender Vater, macht sich auf die Suche, er will herausfinden, wer der Junge war und was ihn getrieben hat, in den Brunnen zu steigen, und gleichzeitig versucht er, seinen Kollegen aufzufangen.

Bei seinen Nachforschungen stößt Kimmo Joentaa auf zwei Familien, Nachbarn und Freunde, deren Schicksale durch einen schrecklichen Unfall Jahre zuvor miteinander verstrickt sind. Während Kimmo mit der Mutter des toten Jungen spricht, bricht im Nachbarhaus ein Feuer aus. Als Stunden später das Feuer gelöscht ist und die Überreste des Hauses wieder betretbar sind, ist ein Sohn der Familie, der 12-jährige David, verschwunden.

Nach und nach zeichnet sich das Bild einer Familie ab, die durch den Tod eines Kindes beinahe zerrissen wurde. Der Vater ist ein Pilot und Billard-Turnierspieler, der lieber auf Langstreckenflügen flieht, als zu Haus zu sein, weil seine Frau ihm fremd geworden ist. Nächtelang sitzt sie am Computer, starrt auf die Fotos von Emma, ihrer toten Tochter, und scheint darüber die beiden kleineren Söhne kaum noch zu bemerken.

Beinahe körperlich meint man beim Lesen die Wucht des Verlusts zu spüren, den Schock, der immer noch so tief sitzt.  Wie kaum ein anderer Autor vermag es Jan Costen Wagner, solche Gefühle in Sprache zu fassen, behutsam und klar, beinahe nüchtern in der Wortwahl.

Kimmo Joentaa muss für diesen Fall all seine Klugheit und sein ganzes Feingefühl aufbringen, und auch er stößt an Grenzen. Doch zum Glück gibt es noch Sanna, seine neunjährige Tochter, die in diesem Sommer mit ihren Freundinnen in dem See vor ihrem Haus badet und nachts den Mond untersucht. Kimmos und Sannas zu Hause ist ein Ort voller Fröhlichkeit und Trost, hier werden Spaghetti gekocht und danach die Küche nicht aufgeräumt, weil man lieber noch am See sitzen bleiben will. Hier kann Petri Grönholm auf dem Sofa übernachten, wenn ihm zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.

Und Sanna selbst, das wissen besonders die Leser der früheren Kimmo-Joentaa-Romane, ist der beste Beweis dafür, dass es auch nach großen Katastrophen Hoffnung geben kann, und dass man nicht in ständiger Angst leben soll, sondern mit dem Vertrauen auf das Gute.

Dass er der Meister des literarischen Kriminalromans ist, hat Jan Costin Wagner schon in seinen anderen Kimmo-Romanen bewiesen, seine lakonische Sprache und seine behutsame Art, sich den Figuren zu nähern, sind beinahe legendär*. In seinem neuen Buch geht Wagner noch darüber hinaus. In Sakari lernt, durch Wände zu gehen stehen Sätze, in der Wortwahl an sich nüchtern und ruhig, die man nie mehr vergisst.

Jan Costin Wagner wird seine Lesung mit Musik begleiten.

Jan Costin Wagner, Schriftsteller und Musiker, Jahrgang 1972, studierte Literaturwissenschaften und Geschichte und schrieb seine Abschlussarbeit über die verborgenen Abgründe in der Prosa Adalbert Stifters. Er lebt heute in der Nähe von Frankfurt am Main. Aktuell arbeitet er am Songwriter-Album „Thief of a Moon“. Seine hochgelobten Kriminalromane um den finnischen Ermittler Kimmo Joentaa wurden vielfach ausgezeichnet (u. a. Deutscher Krimipreis, Nominierung zum Los Angeles Times Book Prize) und in 14 Sprachen übersetzt. „Das Schweigen“ wurde für das Kino verfilmt. Zuletzt erschienen „Tage des letzten Schnees“ (2014) und "Sonnenspiegelung“ (2015).

Weitere Infos zu Jan Costin Wagner unter http://www.jan-costin-wagner.de/autor.html


Samstag, 4. November 2017, um 19.30 Uhr

St.-Gallus-Saal, Haus der Musik
Pfarrweg 3, 88079 Kressbronn a. B.

Vorverkauf: 12,00 €/10,00 €/6,00 €
Abendkasse: 14,00 €/12,00 €/8,00 €

Karten sind ab Ende Mai/Anfang Juni erhältlich unter www.reservix.de oder in der Tourist-Information Kressbronn a. B., Nonnenbacher Weg/Im Bahnhof, Tel.: 07543 9665-0.