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Geschichte

Aus Hemigkofen und Nonnenbach wird die Gemeinde Kressbronn

Hemigkofen wird im 9. Jahrhundert mehrmals genannt und geht auf einen Eigennamen zurück. Als 1365 auch "Ungenbach" erscheint gehören beide Orte schon überwiegend zur Tettnanger Grafschaft Montfort, bei der sie bis zu deren Niedergang anno 1780 bleiben. Danach hat es immer noch über 150 Jahre gedauert, bis die beiden Ämter 1934 zur Gemeinde Kressbronn zusammengefügt wurden. Im Jahr 2009 feiert die Gemeinde somit das 75-jährige Gemeindejubiläum. Erst im Jahr 2001, wurde die markante Schnittstelle der einstigen Altgemeinden, die neue Ortsmitte mit dem neuen Rathaus, Bücherei und dem Rathausbrunnen, gestaltet.

Schloss Giessen
Schloss Giessen
Nonnenhorn-Torggel
Nonnenhorn-Torggel

Kelten, Römer, Alemannen 1000 v. Chr. bis St. Gallen

Brandgräber und Bronzefunde unter dem heutigen Kapellenhof sowie die Lenensburg sind früheste Siedlungsbelege aus der Zeit um 1000 v. Chr. Um das Jahr 0 können wir keltische Siedlungen annehmen und für die Zeit um 100 n. Chr. bezeugen Ausgrabungen eine Römische Villa. Um 350 dringen die Alemannen in unser Gebiet vor und werden um 550 von den Franken unterworfen, die den Argengau schaffen. Nach 600 verbreitet sich das Christentum und das Kloster St. Gallen entsteht, dessen "Buchführung" über seine Besitzungen wir auch die ersten Urkunden für unser Gemeindegebiet verdanken.

Erste Ortsnamen in Urkunden 799 bis Nonnenbach

799 wird - als Ratinishova - Retterschen erwähnt und 866 auch Hemigkofen. Betznau erscheint 905 als Pacenhoven und 1112 als Grafschaft im Argengau.
1122 bezeugt Eberhard von Nicenwilare die Gründung von Kloster Langnau. 1230 gibt es einen Ritter namens "Sigifridus de Kressenbrunnen" und 1365 taucht Ungenbach auf, das seit 1695 Nonnenbach heißt und so auf das Stift Lindau verweist.

Die Zeit der Grafen von Montfort - Vom 12. Jahrhundert bis zur Barockzeit

Als am 10. September 1488 der Ammann von Tettnang "in Hans Maiers Garten" in Hemigkofen zu Gericht sitzt, besteht das Geschlecht der Montfort schon 300 Jahre und die Herrschaft der Tettnanger Linie dauert fast noch weitere 300 Jahre. Ein kurzer Erbstreit hatte die lange Trennung von Hemigkofen und Nonnenbach zur Folge. Aufgrund drückender Unfreiheit begehren im Bauernkrieg 1525 nachweislich auch hiesige Bauern "nichts anders dann die göttliche Gerechtigkeit".

Im 30-jährigen Krieg wird auch Burg Gießen belagert - und drum herum wird gebrandschatzt, gequält und geplündert. Die Grafen von Montfort beziehen aus ihren Ämtern nicht nur Lehenabgaben, Frondienste, Zehnt und namentlich Wein, sondern treten im Barock auch durch großzügige Kapellenstiftungen hervor. 1780 sind die Montforter, nach dem Neubau des Tettnanger Schlosses, so sehr verschuldet, dass sie ihre Herrschaft an Österreich abtreten müssen, zu dem bis 1805 nun auch Hemigkofen und Nonnenbach gehören.

Hopfen, Markt und Eisenbahn - Wandel im 19. Jahrhundert

1802, beim Anbruch des neuen Jahrhunderts, "kann der halbe Teil der Untertanen kaum lesen oder schreiben". Die "Vereinödung", eine erste Flurbereinigung, führt zu großen Aussiedlerhöfen. Nach 5 bayrischen Jahren kommen 1810 beide Ämter an das Königreich Württemberg, wo sie zwölf Jahre als Gemeinde Hemigkofen-Nonnenbach vereint bleiben. Länger will das reichere Nonnenbach aber nicht mehr für die Schulden des ärmeren Hemigkofen aufkommen und so kommt es wieder zur Trennung. In den 20er Jahren erlangt Kressbronn mit seiner Schiffslände große Bedeutung für den Getreideexport vom Oberland in die Schweiz.

1830 werden die ersten Hopfenpflanzungen angelegt. 1836 erhält Hemigkofen die Marktgerechtigkeit, und avanciert, nachdem die Gemeinde 1864 den Marktplatz erworben hat, zeitweise zum drittgrößten Viehmarkt Oberschwabens. Um 1850 geht mit der Bauernbefreiung, d.h. mit der Ablösung letzter Bürden, die Feudalzeit vollends zu Ende. Für die allenthalben auch herrschende Not und Unfreiheit mögen hier die rund 300 Auswanderer stehen, die Hemigkofen und Nonnenbach im 19. Jahrhundert verlassen haben, - davon ein Drittel nach Amerika. 1871 werden anlässlich der Reichsgründung vor der Eligiuskapelle zwei Bäume gepflanzt. Reiche Städter entdecken nach und nach den See als Erholungsgebiet und es entstehen die ersten Villen. 1899 kam mit der Eröffnung der
Bodenseegürtelbahn und der Bahnstation Hemigkofen-Nonnenbach der Anschluss an die Moderne, über die 1900 der erste Zeppelin "flog".

Weltkriege, Not und Neubeginn - Das 20. Jahrhundert

Trotz aller Querelen eint die beiden Gemeinden nicht nur der gemeinsame Bahnanschluss. Längst haben Vereine ihre Mitglieder auf beiden Seiten der Hauptstraße. Schon 1898 wurde eine Wasserversorgung gebaut und 1913 ein gemeinsamer Friedhof angelegt. Dann eint der erste Weltkrieg, aus dem 77 junge Männer nicht mehr zurückkehren. Mutig entschlossen sich Hemigkofen und Nonnenbach 1924, kurz nach der Inflation, zum Bau einer Schule. Bald schon müssen Räume an eine neue Gemeindeverwaltung abgetreten werden und nach dem Bau der Nonnenbachschule 1953 wird die Schule ganz als Rathaus genutzt. 1934 wurde unter NS-Herrschaft der überfällige Zusammenschluss zur neuen Gemeinde Kressbronn angeordnet. Sie ist benannt nach dem kleinen Teilort am See, der durch die Schiffslände und die Bodan-Werft bekannt war. Vollbeschäftigung in Gewerbe und Industrie führen 1936 zur Moosweg- Siedlung und 1939 werden auch die Gebiete Bachstraße und Kieselbuchweg bebaut.

Der Fremdenverkehr verzeichnet bei 5.792 Gästen 41.406 Übernachtungen. 1937 wird die kath. Kirche "Maria Hilfe der Christen" gebaut, doch bald müssen drei ihrer vier Glokken für die Kriegswirtschaft abgeliefert werden; ebenso in Gattnau. 1943/44/45 wird Friedrichshafen bombardiert. Sonnenhof, Unterkirche und Hotel Schiff werden zu Lazaretten. Als die Franzosen im April 1945 Kressbronn besetzen, leben hier ca. 750 Evakuierte aus zerstörten Städten. Etwa ebensoviele "Fremdarbeiter" kehren in ihre Heimatländer zurück. 251 Kressbronner Soldaten sind gefallen bzw. gelten als vermisst.

Wachstum, Freizeit, Ortssanierung - Vom 20. zum 21. Jahrhundert

Egon Grall wird erster Nachkriegsbürgermeister. Seine Zeit ist noch bestimmt von Not, Währungsreform und Aufbau. 1949 werden Hemigkofener, Gattnauer und Betznauer Straße geteert. Noch 1952 haben über 50 % der Schüler Untergewicht, sodass eine Schulspeisung eingeführt wird. 1953 wird die Nonnenbachschule bezogen. Der Marktplatz dient dem Schweinehandel und namentlich als Kirschenmarkt. 1954 wird Franz Frick Bürgermeister. In seiner 20-jährigen Amtszeit wird das Alters- und Erholungsheim der Inneren Mission am Ottenberg und 1957 die ev. Christuskirche eingeweiht. Der Bebauungsplan Brühl wird verabschiedet und der Rathausplatz umgestaltet sowie die Eligius-Kapelle als Kriegergedächtnisstätte geweiht.

In exklusiver Lage entsteht das Altersheim "St. Konrad". 1960 erreicht die Einwohnerzahl Kressbronns 5.000. In den folgenden Jahren werden die Turn- und Festhalle und die Kläranlage gebaut sowie das Hallberger Haus, ein Kinderkurheim der Stadt Stuttgart. In der Argenstraße entsteht das Hochhausviertel und das Fachwerkhaus an der Zehntscheuerstraße muss einem Betonwohnblock weichen. Auch die 1964 installierte erste Ampel dokumentiert Wachstum. Im Sommer 1967 weilt Bundeskanzler Kiesinger "Am Egg" und lädt u.a. Brandt, Wehner, Schmidt zu sich zum "Kressbronner Kreis". 1971 hat Kressbronn mehr als 6.000 Einwohner.

Der Abriss des "Hotel Schiff" und damit verbundene Spekulationen erregt erneut die Gemüter. 1972 lädt erstmals das neue Strandbad zum Baden ein und im Parkschulzentrum beginnt der erste Unterricht. Im Jahr 1974 wurde Kurt Gröschel zum Bürgermeister gewählt. Kurt Gröschel lenkte 16 Jahre die Geschicke der Gemeinde. Im Jahr 1991 wurde der heutige Bürgermeister Edwin Weiß zum Schultes gewählt. Im Jahr 2001 wird die neu gestaltete Ortsmitte mit Rathaus, Bücherei und Rathausbrunnen eingeweiht. Erst etwas später wurde die Tourist-Information vom Schlössle in den damaligen Bahnhof umgesiedelt. Im Schlössle selbst entsteht neben dem Jugendtreff die Schiffsausstellung von Ivan Trtanj und im Jahr 2007 der Familientreff.

Bereits im Jahr 2006 gibt der Gemeinderat den Neubau der dringend benötigten Sporthalle mit Räumlichkeiten für die Ganztagesbetreuung im Parkschulzentrum frei. Das Gebäude wurde schließlich am 26. September 2008, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, festlich eingeweiht. 

Im Mai 2009 wurde die neu gestaltete Parkanlage am Landesteg "Seegarten" und das "Cafe am Seegarten" eröffnet. Auch die Fläche rund um den Kressbronner Bahnhof hat die Gemeinde verschönert. Beide Projekte trugen wesentlich dazu bei, dass Kressbronn beim Bundeswettbewerb "Entente Florale - Unsere Stadt blüht auf" im Sommer 2009 mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde.

Im Mai 2013 wurde die neue Festhalle fertiggestellt. Die Halle wurde 2011 abgerissen, nachdem, nach mehr als 50 Jahren, ihre Jahre gezählt waren. Die  Festhalle soll dann als neues "Kulturzentrum" in der Gemeinde genutzt werden.

 

Die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde im Überblick:

1871:  1.749 Einwohner
1900:  1.781 Einwohner
1910:  2.060 Einwohner
1925:  2.398 Einwohner
1933:  2.403 Einwohner
1939:  2.943 Einwohner
1950:  4.040 Einwohner
1961:  5.020 Einwohner
1970:  6.069 Einwohner
1987:  6.633 Einwohner
1990:  7.198 Einwohner
2000:  7.362 Einwohner
2005:  8.055 Einwohner
2012:  8.373 Einwohner

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg